Vor zwei Jahr

en, bei "Continue" habe ich das Papierobjekt "Verworfene" ausgestellt.
Ausgeschnittene Buchstaben, mit Tesafilm grob verklebt und zu Knäueln geformt, waren sie aneinanderassoziiert, gefallen, geknickt, in der Auflösung begriffen, aber von der Ausführung weit entfernt. Sehen so die vertrockneten Büsche aus, die durch die Luftschlösser gewirbelt werden, wenn ein (neuhochdeutscher) Gehirn-Sturm aufzieht? Oder sind sie die Hinterlassenschaft von Streitgewittern? Das, was verglaste Erdbrocken für den Blitzeinschlag sind, das was Vulkane bei Eruptionen in die Luft rotzen, Magmaklumpen aus angefangenen Knäueln, diffusen Verstrickungen? Sie sind einfach im Prozess eingefrorene Anfänge, das was aus der Skizze radiert wird, wenn die Tusche einsetzt und alles festschreibt. Die "Verworfenen" hatten in dieser Ausstellung auch ihren Platz verdient. Doch was ist mit den Verworfenen, deren Fertigung schon begonnen hat?
Zu "Selbstportrait mit aus meinem Kopf hervortransmutierenden Christus", das bei seiner ersten Präsentati

on in der Öffentlichkeit für Zuspruch und Abscheu gleichermaßen sorgte, habe ich vor inzwischen gut einem Jahr zwei Seitentafeln bearbeitet. Konturenlose sollen dem Selbstportrait beigegeben werden. Ich finde, es hat seine Eskorte verdient. Aber nach wie vor sind sie nicht fertig. Sie hängen an meiner Wand (in der ständig wuchernden und wachsenden Ecke, wo sich Leinwände und Papier kreuz und quer stapeln. Sie trägt die Überschrift 'Zu erledigen') und ich habe sie insgesamt je nur eine Stunde bearbeitet - aber ein Hundertfaches an Stunden angeschaut. Ich weiß nicht, wie ich daran weiterarbeiten kann, ohne das Gefüge von Fleisch und Licht durcheinanderzubringen. Und der richtige Tag dafür ist Morgen.
(Links: "Selbstportrait mit aus meinem Kopf hervortransmutierenden Christus [Ausschnitt], rechts: Geleitschutz [unvollendet])